Archive for Juni, 2006

In den Klauen der SMS-Spam-Mafia

Donnerstag, Juni 29th, 2006

Die SMS-Spam-Mafia schlägt unerwartet zu. Diesmal auf meinem Firmen-Handy.
Vor zwei Wochen habe ich großzügigerweise und unaufgefordert zwei SMS mit den aktuellen Lottozahlen von einer Rufnummer 09310770551 bekommen. Sehr nett finde ich, obwohl ich dem Service nicht ganz traute und deshalb bei der zweiten SMS eine Sperre aktivierte.
Doch wie sich bei meiner heutigen Telefonrechnung herausstellte, war dies schon zu spät, denn man verrechnete mir für zweimal “Chatdienste” EUR 1,40. Also begab ich mich auf die Suche nach dem Bösewicht dahinter. Bei der zuständigen Regulierungsstelle gabs dann den Besitzer der Rufnummer: eine Wiener Firma namens atms, die “bestärkt durch das positive Feedback ihrer Kunden … kontinuierlich wächst”.
Nun, mein Feedback war wie zu erwarten nicht positiv, denn ich habe weder einen Lottoservice angefordert noch meine Handynummer hergegeben. Ich spiele ja nicht mal Lotto, denn Glücksspiel kennt keine Gewinner (ausser die Lottogesellschaften).
atms konnte mir sehr freundlich Auskunft geben, dass es sich dabei um einen Kunden von ihnen namens “AR-direkt” handelt. Bei den SMS handele es sich um einen Fehler in deren Datenabgleich. Nein, Telefonnummer oder Adresse von AR-direkt habe man nicht, aber es wird sich jemand mit mir in Verbindung setzen, um meine Kosten zu entschädigen. Wenigstens sind die AGB auf www.ar-direkt.com auskunftsfreudiger:
AR-Direkt hat den Firmensitz in Liechtenstein und als Geschäftsführer einen Herrn Joachim Schaedler mit österreichischer Handynummer (eine für jeden österreichischen Finanzbeamten sicherlich interessante Kombination) und einen Herrn I. Allen. Auf den Namen und Anschrift ist übrigends auch der Domainnamen registriert.

Anscheinend ein Missgeschick, bei dem ich nicht der einzige bin. Während ich natürlich Herrn Schaedler und Herrn Allen nichts unterstellen möchte, könnte für die beiden durch dieses Missgeschick doch ein guter Gewinn herausschauen.
atms war übrigends so freundlich, meine Rufnummer für alle ihre Dienste zu sperren. Doch warum bieten dies die Handybetreiber nicht von sich aus an? Und warum findet man nirgends den Hinweis auf die (leider sehr beschränkten) Sperrmöglichkeiten von www.sms-sperre.at? SMS-Spam ist wahrscheinlich für alle Beteiligten doch lukrativer, als man denken würde…
Jedenfalls bin ich auf das Entschädigungsangebot der Firma AR-Direkt gespannt und halte meine Leser auf dem Laufenden.

********
Update: Herr Allen hat mich (mit unterdrückter Rufnummer) kontaktiert, leider weniger freundlich als die Mitarbeiter von atms. Jedenfalls bietet er mir per Post eine Entschädigung für die zwei SMS an. Meine Nummer haben sie übrigends aus dem Telefonbuch (interessant…). Auf eine Aufwandsentschädigung für meine halbe Stunde Telefonate mit Gott, der Welt und diversen Telefonfirmen möchte er verzichten - ich jedoch nicht. Am Dienstag soll das Geld bei mir sein, darauf bin ich gespannt…

Der Dotterfarbfächer | The Yolk colour guide

Donnerstag, Juni 29th, 2006

Genosse Ed verweist in seinem neuesten Blogeintrag wieder auf eine höchst interessante Anwendung von Blogs im Rahmen von PR-Arbeit: Der Ja! Natürlich Weblog.
Detail am Rande des geschmackigen Blogs: Der Dotterfarbfächer. Nach Pantone, RAL und HKS wohl eine Pflicht für jeden Grafiker und Farbfetischisten! Muss ich mir gleich für den nächsten Einkauf am Markt besorgen…

Companion Ed refers in his newest blog entry to a very interesting application of blogs within the framework of PR: The Ja! Natürlich Weblog. (Ja! Natürlich is a large Austrian trade mark for bio food.)
Also included in the tasteful blog: the yolk colour guide (in German). After Pantone, RAL and HKS the next thing for all graphic designer and colour fetishists! I have to get this for my next shopping at the market…

Einladung zum Pitch

Dienstag, Juni 27th, 2006

Ein Klassiker, der mir kürzlich wieder untergekommen ist:
Können Sie auch altweiß? Oder die Kunst einen Pitch durchzuführen.

Ein kurzer Auszug:
“Guten Tag, hier Apostolou. Ich beabsichtige meine Wohnung anstreichen zu lassen. Ich möchte Sie zu einem Pitch einladen. Wann können Sie kommen?”

“Pisch? Sie meinen Kostenvoranschlag!?”

“Nein … Pitch mit t´ ohnes´ in der Mitte. Da streichen Sie vorab kostenlos einen Teil der Wohnung, um Ihre Kompetenz in Sachen Altweiß unter Beweis zu stellen.”

Alltag in der Werbewelt…

Variationen eines Beistrichs | Variations of a comma

Dienstag, Juni 27th, 2006

Linz wird 2009 die Kulturhauptstadt Europas. Was Graz an den Rande des finanziellen Ruins brachte, soll in ein paar Jahren Linz ärmer machen. Dass man dazu ein tolles Logo braucht, ist klar. Das Erscheinungsbild von Graz03 war meiner Meinung nach wohl eines der besten österreichischen Designs der letzten Jahre. Diese hohe Latte gilt es erst mal zu erreichen.
Der erste Schritt wurde vor zwei Wochen mit einem Wettbewerb getan, aus dem obiges Logo als Gewinner hervorging. Blöd nur, dass einige aufmerksame Beobachter eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Logo von Jeunesse Österreich feststellten.
Aber der Skandal bleibt aus: Man sei sich einig, dass das eine ein Notenschlüssel und das andere eine Zahl ist. Friede, Freude, Eierkuchen.
Doch wer Österreich kennt, weiss auch hier: Da kommt noch einiges mehr…

The Austrian city of Linz will be European Capital of Culture in 2009. Already the city of Graz was having a financial desaster and now it’s Linz’s turn. Of course they will need a great logo for that. The design of Graz03 was one of the best Austrian designs of the last years in my opinion. This has be reached again.
The first step was done two weeks ago by choosing a winner from a logo compitition as can be seen above. However, some people found an baffling similarity to the logo of Jeunesse Österreich.
But there won’t be any scandal: The CEOs of the two organisations agreed that one is clef and the other is a number. Happy again.
But for those who know Austria: There will be more coming…

The Art of the Start on Video

Samstag, Juni 24th, 2006

Guy Kawasaki, der clevere Venture Capitalist mit eigenem Blog, der der jüngere Bruder von Jackie Chan sein könnte, bietet immer ausführlichen und professionellen Content, für den man woanders viel Geld zahlen müsste.
Sein neuester Eintrag enthält nun ein Video mit 40 Minuten einer Rede (in Englisch) zu seinem Buch “The Art of the Start”. In gewohnt witziger Weise erklärt er seine Grundregeln für Unternehmensgründer und betont dabei auch die Wichtigkeit von Marketing. Das kommt von einem, der’s wissen muss, schliesslich war Guy Kawasaki einer jener, die Apple wieder aus der Grube heraus geholfen haben. Anschaun und nachmachen.

Guy Kawasaki, the clever venture capitalist with his own blog, who might be the younger brother of Jackie Chan, always offers good and professional content which would cost a lot of money elsewhere.
His newest post contains a video of a 40 minute speech to his book “The Art of the Start”. With the usual relaxed way he explains his basic rules for entrepreneurs and also the importance of marketing. This comes from someone who should know it - after all was Guy Kawasaki one of them, who helped Apple rise out of the dirt again. View it and do it.

Aus zwei mach drei: Rotes Kreuz/Halbmond/Kristall | 2 to 3: Red Cross/Crescent/Crystal

Freitag, Juni 23rd, 2006

Man würde meinen, gewisse Zeichen und Symbole existieren schon ewig und werden auch weiterhin unverändert bestehen. Ein interessanter Beschluss wurde vor zwei Tagen bei der der 29. Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Konferenz in Genf ohne wesentliche Beachtung der breiten Öffentlichkeit getätigt: zu den bestehenden Symbolen des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds kommt ein drittes hinzu - der Rote Kristall (offiziell “Zeichen des dritten Zusatzprotokolls”).
Grund dafür war eine sechsjährige Diskussion, ob die israelische Gesellschaft Magen David Adom mit ihrem Zeichen des roten Davidsterns in der Rotkreuz-Rothalbmond-Bewegung anerkannt werden soll. Die genaueren Details dazu findet man in diesem Wikipedia-Beitrag.

Die Entstehung an sich ist ja schon recht interessant, denn aus diesem einfachen Zeichen könnte - wie beim Kreuz und dem Halbmond - eine neue Symbolik entstehen, der auch die landläufige Bedeutung des Quadrats ändern könnte.
Was ich aber noch bemerkenswerter finde, ist der Grund, warum dieses einfache auf der Spitze stehende Quadrat “Kristall” genannt werden soll:
“Für den umgangssprachlichen Gebrauch wird vom IKRK und der Föderation im Gegensatz zu früheren Vorschlägen wie ‘Rote Raute’ (engl. Red Lozenge) oder ‘Roter Diamant’ (engl. Red Diamond) die Bezeichnung ‘Roter Kristall’ favorisiert, da die Abkürzung RC für dessen englische Übersetzung Red Crystal identisch ist mit den Abkürzungen für Red Cross (Rotes Kreuz) und Red Crescent (Roter Halbmond). Gleiches gilt für die Abkürzung CR der französischen Begriffe Croix Rouge (Rotes Kreuz), Croissant Rouge (Roter Halbmond) und Cristal Rouge (Roter Kristall).”
Gut gemacht.

Someone would think that certain signs and symbols have existed forever and will remain unchanged. An interesting decision has been made two days ago at the 29th international red cross and red crescent conference in Genf without further attention of the general public: joining the two symbols of the red cross and the red crescent is a third one - the red crystal (officially “third protocol emblem”).
Reason for this was a six-year-lasting discussion if Israel’s national society Magen David Adom is to be recognized in the red cross and red crescent movement. Details to this story can be found in this wikipedia article.

The emergence of this symbol is quite interesting for itself, because this symbol could get a new meaning - similar to the cross and the crescent -, and change the symbolic of the quadrat.
What I find even more remarkable is the reason why this symbol is called “crystall”: Instead of calling it ‘Red Lozenge’ or ‘Red Diamond’ the name ‘Red Crystal’ is favorised for everyday use as the abbreviation RC will be ident with Red Cross and Red Crescent. Also in French the abbreviation CR will be the same for Croix Rouge (Red Cross), Croissant Rouge (Red Crescent) und Cristal Rouge (Red Crystal).
Well done.

Von Interessensverbänden und Wettbewerbspräsentationen…

Donnerstag, Juni 22nd, 2006

Mein Interessensverband Design Austria hat endlich mal die miefenden Seiten in den Keller geräumt und sich eine neue und verbesserte Website zugelegt… zu besuchen unter www.designaustria.at.

Übrigends: Allen Unternehmen, die sich für eine Neugestaltung Ihres Logos oder einer Werbelinie eine Wettbewerbspräsentation überlegen, kann ich das Buch Wettbewerbs-Richtlinien sehr ans Herz legen. Es enthält alles zu Kosten und Nutzen von Design-Wettbewerben, den verschiedenen Wettbewerbsarten, Teilnahmebedingungen, Jury, Terminen, Preisen sowie Urheber- und Nutzungsrechten. Besonders “Präsentationen” sind oft ein heikles Thema, was die Honorierung der Leistung betrifft. Der Interessensverband sieht Präsentationen als geladenen Wettbewerb - und so seh ich das auch. Leider erachten viele Kollegen den Wert ihrer Arbeit als zu gering, wodurch die Unart der kostenlosen Präsentation ohne Abschlagshonorar selbst bei großen Unternehmen noch immer gang und gäbe ist.

Im Sinne eines qualitativen Ergebnisses sollten Unternehmen sich daher vorher genau informieren, wenn eine Präsentation oder ein Wettbewerb geplant ist, und ein faires Abschlagshonorar vereinbaren. Ganz nach der alten Weisheit: “Was nichts kostet, ist nichts wert…”

Das Eigentor der Deutschen | Own-goal by Germany

Freitag, Juni 16th, 2006

Europa ist im Fußballfieber. Mein Zeug ist Fußball ja nicht, und ich bin froh, wenn das alles wieder vorbei ist und die Gastronomiewelt wieder zu ihrer Normalität zurückfindet. Selbst bei einem netten Grillabend vorgestern konnten manche Gäste nicht den Blick vom Fernseher wenden. Dabei spielte doch gerade jenes Land, das bereits vor ein paar Jahren ein Eigentor geschossen hat, nämlich mit der Wahl dieses World-Cup-Logos.
Viele Diskussionen wurden darüber schon geführt, besonders ob nicht eines der 11 deutschen Designer, die im März 2003 präsentiert wurden, besser geeignet gewesen wäre. Mein persönlicher Favorit (und auch der von vielen Fachzeitschriften) war übrigends nebenstehendes von Hesse Design.
Nach dem Desaster mit dem unbeliebtem Löwen-Maskottchen legte vor kurzem - gerade richtig zur Eröffnung - der von mir sehr bewunderte Erik Spiekermann nochmal einen Scheitel nach (nachzulesen auf der Deutschen Welle).
Auch er ist mit den “Smileys auf LSD” alles andere als nett: “Das ist eine Schande, denn die Menschen, die von überall her gekommen sind, werden jetzt denken, dass deutsches Design eben so ist und für mich persönlich ist das peinlich. Am liebsten würde ich mich verstecken und behaupten, ich sei Gehirnchirurg oder sonst was.”

Soccer is ruling in Europe at the moment. I personally don’t like soccer and will be very happy when everything returns back to normal. Even at a recent party some guests couldn’t keep their eyes off the TV. Yet it was that county playing which already shot an own-goal by choosing this world cup logo.
There were plenty of talks about it, especially why not one of the 11 German Designers was chosen, which were presented in March 2003. My personal favorite (and the one of many magazines) was the one above by Hesse Design.
Now, after the disaster with the unpopular lion maskot, the admired Erik Spiekermann is putting oil on fire again (to be read on the website of Deutsche Welle).
He too is not very nice to the “smileys on LSD”: “It’s a shame because when people come in from the outside world they think this is how German designers are and for me, it’s personally embarrassing. I want to go away and hide and pretend I’m a brain surgeon or something.”

Raubkopie im Retro-Stil | Pirat copy retro-style

Freitag, Juni 16th, 2006

Raubkopien aus dem Netz sind out. Wer das mit Stil machen will, kopiert sich die Musik gleich als ganze Schallplatte. Wie das funktioniert, erklärt uns Zeit Wissen. Und knapp 2 Tage und 60 Euro später kann man eine Kopie sein Eigen nennen.

Pirat copies from the net are out. When someone wants to copy with style he will do this as a whole LP record. How this is going to work is being explained by Zeit Wissen (in German). So 2 days later (and 60 Euro poorer) someone can get possession of a copy.

Die guten alten Werte

Donnerstag, Juni 15th, 2006

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, ihm Rahmen einer Wettbewerbsausschreibung mehr über die Firma W.L. Gore zu erfahren, und zwar aus erster Hand. Der Leiter einer der Business Units für Europa berichtete - mit sehr glaubhafter Begeisterung - über den Erfolg des Unternehmens. Der Name Gore sagt wohl jedem was, besonders durch das Gore-Tex-Laminat, das auch meine alten Wanderschuhe schon etliche Jahre dicht hält.
Als einen der wichtigsten Faktoren für den Erfolg sah ebendieser Leiter den fairen Umgang mit Menschen, egal ob Mitarbeiter, Lieferant oder Kunde, kombiniert mit Service und Qualität. Dass seine Chefs das auch so sehen, trägt wohl dazu bei, dass das Unternehmen in unserer heutigen Wirtschaftswelt des Geizes und Preisdumpings trotzdem so gut bestehen kann. Es mag ja nichts ungewöhnliches sein, Kunden über Jahrzehnte halten zu können, doch wer kann schon sagen, dass er mit 80% (!) seiner Lieferanten bereits seit über 10 Jahren erfolgreich zusammenarbeitet?
Eine flache Struktur, individuelle Entscheidungskraft und Verantwortung sowie Mitarbeiterbeteiligung verbunden mit einem hohen Servicebewusstsein gegenüber den Kunden sind Schlagworte, die ich in den letzten Jahren in vielen Büchern gelesen habe. In ähnlicher Form werden sie wohl auch in jedem Unternehmensleitsatz stehen, doch dass sie auch gelebt werden, findet man nicht oft.
Erinnert wurde ich daran bei der Lektüre von Barry J. Gibbons’ “Die wunderbare Welt der Wirtschaft” - ein erfrischendes, komisches und provokantes Buch über eine Wirtschaftswelt, die man sich nur wünschen könnte. Darin zitiert er den CEO eines Markenunternehmens:
“Wir glauben, wenn man ein gutes Produkt und herausragenden Kundenservice bietet, wenn man eine Umgebung schafft, in der die eigenen Leute ihre Arbeit als lohnend und erfüllend und anspornend empfinden, wird sich Wachstum zwangsläufig einstellen.”
Träumen wir nicht alle von dieser Welt, und warum sieht die Realität so anders aus?