Die guten alten Werte

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, ihm Rahmen einer Wettbewerbsausschreibung mehr über die Firma W.L. Gore zu erfahren, und zwar aus erster Hand. Der Leiter einer der Business Units für Europa berichtete - mit sehr glaubhafter Begeisterung - über den Erfolg des Unternehmens. Der Name Gore sagt wohl jedem was, besonders durch das Gore-Tex-Laminat, das auch meine alten Wanderschuhe schon etliche Jahre dicht hält.
Als einen der wichtigsten Faktoren für den Erfolg sah ebendieser Leiter den fairen Umgang mit Menschen, egal ob Mitarbeiter, Lieferant oder Kunde, kombiniert mit Service und Qualität. Dass seine Chefs das auch so sehen, trägt wohl dazu bei, dass das Unternehmen in unserer heutigen Wirtschaftswelt des Geizes und Preisdumpings trotzdem so gut bestehen kann. Es mag ja nichts ungewöhnliches sein, Kunden über Jahrzehnte halten zu können, doch wer kann schon sagen, dass er mit 80% (!) seiner Lieferanten bereits seit über 10 Jahren erfolgreich zusammenarbeitet?
Eine flache Struktur, individuelle Entscheidungskraft und Verantwortung sowie Mitarbeiterbeteiligung verbunden mit einem hohen Servicebewusstsein gegenüber den Kunden sind Schlagworte, die ich in den letzten Jahren in vielen Büchern gelesen habe. In ähnlicher Form werden sie wohl auch in jedem Unternehmensleitsatz stehen, doch dass sie auch gelebt werden, findet man nicht oft.
Erinnert wurde ich daran bei der Lektüre von Barry J. Gibbons’ “Die wunderbare Welt der Wirtschaft” - ein erfrischendes, komisches und provokantes Buch über eine Wirtschaftswelt, die man sich nur wünschen könnte. Darin zitiert er den CEO eines Markenunternehmens:
“Wir glauben, wenn man ein gutes Produkt und herausragenden Kundenservice bietet, wenn man eine Umgebung schafft, in der die eigenen Leute ihre Arbeit als lohnend und erfüllend und anspornend empfinden, wird sich Wachstum zwangsläufig einstellen.”
Träumen wir nicht alle von dieser Welt, und warum sieht die Realität so anders aus?

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