Das lange “ſ” und das runde “s”
Die Frakturschrift erfreut sich momentan ja besonders in Deutschland einer neuen Beliebtheit. Bis nach Österreich hat sich das ja noch nicht durchgesprochen, aber das mag an der unangenehmen Erinnerung liegen, die die Frakturschrift bei vielen hervorruft (obwohl - wie mir gesagt wurde und auch hier nachzulesen ist - die Frakturschrift von den Nationalsozialisten sogar verboten wurde).
Wie dem auch sei, zur richtigen Frakturschrift gehört ein Buchstabe, der heutzutage immer unbekannter wird: das “lange s” - “ſ”. Ich kann mich noch gut an die vielen Kochbücher meiner Oma erinnern, die mich beim Lesen über diesen - dem kleinen “f” oft ähnlichen - Buchstaben stolpern liesen. Dabei kommt der Buchstabe nicht nur im Deutschen vor, sondern auch im Englischen, Französischen, Spanischen und Italienischen.
Nun, da wir neulich in professioneller Runde auch darüber gesprochen haben, hier eine kleine Zusammenfassung über die richtige Verwendung des langen “ſ” (das übrigends durch Kombination mit dem “z” zum heute bekannten “ß” geführt haben soll):
- Am Wortschluss steht immer das runde “s” (z.B. Haus).
- Bei Wortzusammensetzungen und am Ende von Vorsilben ebenfalls das runde “s” (z.B. Haus-tür, Dis-harmonie).
- In den meisten anderen Fällen steht ein langes “ſ” (deshalb: Gaſthaus).
- Ausnahmen und genauere Erläuterungen dazu hier
Und warum das ganze überhaupt? Nun, wenn schon viele Gasthäuser und Menükarten die Schönheit einer Fraktur zu schätzen wissen, so sollen sie doch bitte auch die Zeichen korrekt verwenden.
Wer machts denn richtig? Z.B. Jägermeiſter
Und wenn man sich nicht damit plagen will? Dann besorgt man sich Ligaturix für Windows bzw. MacFrakturix für den Apple. Die machen das dann von selbst.