Der Wert von Design
Eines der Hauptprobleme, die Designer in Österreich (und wohl auch ausserhalb) zu bewältigen haben, ist die fehlende Wertschätzung von gutem Design. Der Designprozess ist wie so viele Dienstleistungen ein abstrakter Schaffungsprozess, der vom Kunden meist nicht verstanden wird. Wieviele Stunden Arbeit hinter einem Logo oder einem Layout stehen, weiß er nicht. In seinen Augen kommen dem Designer Ideen eben “wie im Flug”, das “kann doch nicht so teuer sein”. Deshalb kennt auch jeder Grafiker das Problem, seine Dienstleistung und Arbeit entsprechend wertvoll zu verkaufen.
Bei der vergangenen “default”-Tagung in Wien ging es am Abend gerade um dieses Thema. Ein paar Erkenntnisse daraus:
Die Qualität von Grafikdesign in Österreich ist durchaus mit anderen Ländern vergleichbar hoch, überall wird nur mit Wasser gekocht - manche kochen eben besser, manche schlechter. In anderen Ländern (wie den Niederlanden und Großbritannien) besteht jedoch offensichtlich eine wesentlich größere Bereitschaft der Wirtschaft, in gutes Design zu investieren.
Was können wir also tun? Eine motivierende Rede von Clemens Schedler und die anschliessende Podiumsdiskussion appelierte an uns alle, unsere Kunden mehr “zu erziehen”, ihnen die Bedeutung von strategischem und durchdachtem Design und auch die Prinzipien von Werknutzungsentgelt näher zu bringen. Das würde eine höhere Wertschätzung für gute Qualität verursachen.
Dem kann ich nur zustimmen, doch wird dies ein langer und mühsamer Weg werden, den eigentlich die Interessensverbände (wie die Wirtschaftskammer) vorgehen müssten. Leider konzentrieren diese sich jedoch bei ihrer Imagepositionierung viel zu sehr auf das “schmutzige” Geschäft der Werbung. Und so bleibt “Design” auch hier das “Ding”, das eben dazu kommt, das aber in deren Augen austauschbar und weniger geschätzt ist. Beim Kunden tragen sicherlich auch negative Erfahrung mit “Amateurgrafikern” und Wannabe-Satzstudios das übrige dazu bei. Und jene Kunden, die wissen, wie wichtig Design für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung ist, sind leider rar.
Das ist sehr schade, denn die Wirtschaft würde durch mehr Sorgfalt in der Auswahl ihrer Designstudios wesentlich profitieren. In Großbritannien beweist z.B. das Design Council nicht nur diese wirtschaftlich gewinnbringende Komponente, sondern kommuniziert dadurch auch imagefördernde Qualität (was man sich in Österreich eigentlich auch von Berufsverbänden wie Design Austria wünschen würde!). Das sollte Unternehmen viel mehr ans Herz gelegt werden.
Und den Kollegen kann mehr Selbstbewusstsein ans Herz gelegt werden. Interessante Ratschläge und Gedankenanregungen finden sich dazu z.B. in diesem PDF mit “Tipps an Freunde und Kollegen” von Clemens Schedler. Wir müssen alle mehr zusammen halten!
Dezember 8th, 2007 at 10:01 pm
Wunderbar, eines der raren österreichisches Blog entdeckt zu haben, dass sich mit Grafikdesign auseinandersetzt. Ja, der Wert des Designs ist eine schwierige Sache, vor allem für noch studierende Berufsanfänger wie mich. Wir müssen erst eine Gefühl für den Wert unserer Arbeit entwickeln und die Freude etwas machen zu dürfen, was tatsächlich realisiert wird, bei brutal mangelhafter Entlohnung beiseite stecken. Bestimmt fehlt das Bewusstsein für gutes Design und durchdachte Konzepte, die „Erzeihungsmethode“ ist das sicher ein guter Ansatz. Vielen Dank auch noch für den Link mit den Tipps! Die ersten paar sind ja schon sehr ergiebig, mal schauen, wie’s weitergeht!