Heute wars in der Post: der “Kodex K”, das Weißbuch für die Ausschreibung und Vergabe von Kommunikations-Dienstleistungen in Marketing, Werbung und Public Relations auf Grundlage des Bundesvergabegesetztes 2006. Was einen solch langen Namen hat, ist meist eine ernste Sache, und so ist es auch hier. Eine kreative Dienstleistung kann nicht mit einer Bauausschreibung verglichen werden, deshalb wurde das Bundesvergabegesetz den Bedürfnissen angepasst. Was dabei heraus kam, wird kaum ein Normalsterblicher verstehen, deshalb hat die Wirtschaftskammer dieses Büchlein herausgebracht, das man unentgeltlich beim Fachverband Werbung & Marktkommunikation anfordern kann.
Öffentliche Auftraggeber sind ja per Gesetz verpflichtet, sich an das Bundesvergabegesetz zu halten, privaten Auftraggebern kann dieses Büchlein eine gute Orientierungshilfe bei der Ausschreibung und Abwicklung bieten.
Jetzt bin ich in der glücklichen Lage, dass meine Öffentlichen Auftraggeber sich genau an die Gesetzgebung halten, und es daher wohl kaum zu Unstimmigkeiten kommen wird. Leider ist dies nicht immer der Fall, und schwarze Schafe gibt es überall: so wie z.B. in Klagenfurt.
Die Stadt am Wörthersee braucht ein neues Logo. Nachdem ein umstrittenes Einkaufszentrum die Hälfte der Innenstadt zu unbewohntem Ödland gemacht hat, glaubt der neue Stadtmarketing-Chef, ein flottes Logo wird die Leute wieder in die Stadt bringen. Dazu hat er ein Dutzend Agenturen eingeladen, entsprechende Vorschläge zu entwerfen. Jetzt ist zwar Klagenfurt die 6. größte Stadt von Österreich, aber diese Anzahl an geladenen Agenturen verwundert schon sehr. Noch mehr verwundern die Wettbewerbsbedingungen, besonders wenn man sich kurz mit obigem Kodex-K auseinander gesetzt hat:
der Gewinner erhält für sein Logo tutto completo mit Ablösung aller Rechte 1.400 Euro, die Verlierer erhalten nix, auch keine Abschlagszahlung. Dadurch, dass das Stadtmarketing in eine GmbH abgewandelt wurde, ist diese Ausschreibung nicht an das Bundesvergabegesetz gebunden. Soviel zu Theorie und Praxis…
Aber die Bereitschaft der Grafiker verwundert noch mehr. Ich kann mir das nur so erklären, dass die Agenturen wohl dachten, die 1.400 Euro wären das Abschlagshonorar, denn wer sonst würde da schon mitmachen? Oder gibt es tatsächlich noch Kollegen, die sich von leeren Versprechungen auf angebliche künftige Aufträge blenden lassen?
Leider werden solche Missstände bestehen, solange Werber und Grafiker nicht den Wert ihrer Arbeit schätzen lernen. Die Entwicklung eines präsentierfähigen Entwurfs, für den man sich nicht genieren muss, nimmt wohl mindestens 20 bis 30 Arbeitsstunden in Anspruch. Wenn dann der Kunde diesen Aufwand nicht mal zum Teil bezahlt, muss wer anders die angefallenen Kosten (Personalkosten, Miete, Strom, Material…) tragen. Dies findet sich dann meist versteckt in den Rechnungen an die bestehenden Kunden wieder, was wohl kaum richtig ist, denn diese sind ja bereit, die Leistungen zu bezahlen…