Archiv für die Kategorie ‘Typography’

In memoriam Johannes Gutenberg

Sonntag, 03. Februar 2008

Heute am 3. Februar sollten wir Werbegrafiker und Typografen einem besonderen Menschen gedenken, ohne den unsere heutige Arbeit wohl um einiges anders aussehen würde: Johannes Gutenberg, den Begründer des modernen Buchdrucks, der auf den Tage genau vor 540 Jahren verstorben ist.
Anders als oft verbreitet hat Gutenberg jedoch nicht den Buchdruck an sich erfunden (da gab es vorher schon Druckpressen mit Holztafeln), sondern diesen vielmehr durch bewegliche Lettern aus Blei enorm verbessert und vereinfacht. Dies gilt heute als Grundlage für die “dritte Medienrevolution”.
Mehr zu seinem Leben, das schon vor 600 Jahren vom harten Unternehmerleben mit Neid und Kreditstreitigkeiten geprägt war, findet sich im typolexikon.

Kalligrafie in Venedig

Freitag, 01. Februar 2008

Die International Graphics School in Venedig veranstaltet vom 21. bis 25. März 2008 einen Kalligrafie-Kurs mit Jovica Veljovic. Den Lesern meines Blogs mag “der Professor” bereits bekannt sein von meiner Teilnahme an seinem Schrift-Design-Kurs in Pettenbach.

Diesmal gehts eben um die hohe Kunst der Kalligrafie (weshalb ein Grundwissen vorausgesetzt wird) und besonders die Verbindung derselben mit Druck, jedoch schreibt Kathryn Frate von der scuolagrafica: “The course is not solely calligraphic, but will take advantage of Jovica’s knowledge of printing techniques and printed letters and the school’s printing presses.”

Erdapfel – ein Update

Montag, 21. Januar 2008

Vor über einem Jahr stellte ich die Erdapfel, eine Sans-Serif-Schrift, die ich während eines Typedesign-Kurses kreierte, zur kostenlosen Verwendung für private Zwecke ins Netz (Lizenzart “Beerware” – d.h. man trinkt im Freundeskreis ein Bierchen auf mein Wohl).

Seitdem hat sich zwar mein Vorhaben, die Schrift mit weiteren Schnitten zur professionellen Verwendung auszubauen, immer wieder verschoben, aber der Regular-Schnitt wird auch so manchmal bereits für kommerzielle Projekte heruntergeladen. Das ist an und für sich kein größeres Problem, wenn man mich vorher schriftlich um Erlaubnis bittet.

Das tat Tobias Joseph aus Deutschland, der mir nun eine nette E-Mail mit dem Entwurf des Logos für einen Videoproduzenten geschickt hat, das die Erdapfel als Logotype verwendet. Sehr gelungen, finde ich. Was sagt ihr?

P.S.: Einen schönen Überblick über die Typo-Szene in Österreich gibt es übrigends hier, leider mit vielen veralteten Links…

Die 100 besten Schriften aller Zeiten

Mittwoch, 24. Januar 2007

Zwei Wochen lang hat uns Fontshop auf seinem Fontblog die Top-10 der ermittelten 100 “besten” Schriften aller Zeiten vorgestellt. Heute um 0.05 Uhr stand die Nummer Eins fest, obwohl beim bisherigen Verlauf diese immer offensichtlicher wurde:
Die beste Schrift aller Zeiten ist selbstverständlich die Helvetica.

Top 10:

  1. Helveticano na, daran wird sich niemand streiten (ausser an der Vergewaltigung namens Arial)…
  2. Garamondauch von mir ein alter Favorit, den ich viel zu selten verwende…
  3. Frutigerwohl noch immer eine der meist”kopierten” Schriften…
  4. Bodonihat die Typografie von Jahrhunderten geprägt…
  5. Futurahat die Typografie des letzten Jahrhunderts (mit)geprägt…
  6. Timesleider viel zu oft verwendet, sodass man ihre Schönheit nicht zu schätzen weiss …
  7. Akzidenz Groteskeinfach schön, immer wieder…
  8. Officinadie “jüngste” Schrift in den Top10 ist immer ein Hingucker…
  9. Gill Sansich war schon immer ein Fan der Tube-Johnson…
  10. UniversSchriftdesign als logisches System…

Wirklich eine ansehnliche Liste, der man nur zustimmen kann. Wer jetzt noch nicht genug hat, findet die restlichen 90 Schriften auf einer Website. Dort sind natürlich ein paar echte Leckerbissen, die zu meinen persönlichen Lieblingen zählen, wie Scala, Today Sans, Dax oder DIN. Well done, Fontshop!

Ich hoffe, sowas findet öfters – auch in einer breiten Öffentlichkeit – statt, dann höre ich bald nicht mehr von einem Kunden: “Also ich kann zwischen Schriften eh keinen Unterschied erkennen…” :o)

Fonts im Web

Dienstag, 16. Januar 2007

Bei jeder Webdesignentwicklung stellt sich mir die gleiche Frage: Welche Schriften kann/soll/darf ich verwenden?

Faustregel: Microsoft’s Liste von Fonts fürs Web. Doch wenns danach geht, wird die Eintönigkeit des Webs nie enden…

Besser: Mal schnell Manuel Bieh’s Schriftstatistik-Seite aufrufen, dort sammelt ein cleveres Flash-Applet Informationen über die eigenen installierten Schriften, dann kann man sich das ganze als Listeder häufigsten installierten Schriften ansehen. Obwohl’s dort natürlich – zumindest unter den Top 10 – keine Überraschungen gibt…

Gefunden bei praegnanz.de

Erdapfel TrueType

Dienstag, 10. Oktober 2006

Viele habens schon bemängelt, jetzt ists gerichtet: die TrueType-Version von Erdapfel Regular sollte nun vollständig – inklusive dem kleinen “i” – sein. Die neue Version kann man ab nun downloaden.

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Many of you have criticised it, now its done: the truetype version of Erdapfel Regular is now complete – including the little “i”. The new version can now be downloaded.

Darf ich vorstellen: das Interrobang

Dienstag, 19. September 2006

Wikipedia ist ja immer wieder für eine interessante kurze Pause zwischen der Arbeit genau das Richtige, wenn man mal etwas frische Luft ins Gehirn benötigt. Deshalb möchte ich mal ein wenig bekanntes, aber sicherlich sehr brauchbares Satzzeichen vorstellen, das ich dort entdeckt habe: das Interrobang.

Diese Kombination eines Ruf- und eines Fragezeichens soll als Ersatz für die – meist sehr unschöne – Zeichenkombination “?!” am Ende einer ungläubigen Frage stehen, z.B.:

“Das nennst du ein Auto‽” statt “Das nennst du ein Auto?!”

Da das Interrobang ein junges Zeichen ist (wie wohl auch die Kombination von “!” und “?” jedem Typographen des 19. Jahrhunderts die Grausbirne aufgestellt hätte…), gibt es dies noch nicht in vielen Fonts. Unter Windows findet man es in den “Wingdings”, unter Apple in “Apple Symbols” bzw. bei der Sonderzeichen-Palette.

Übrigends: Mehrere Rufzeichen hintereinander (”!!”, “!!!” oder gar “!!!!”) machen wir trotzdem nicht, auch wenn’s noch so wichtig ist, was wir zu sagen haben…

Gepflegte Konversation lauschen… | Listening to good conversation…

Sonntag, 03. September 2006

Ziemlich viel zu tun derzeit, verbunden mit langen Autofahrten zu Besprechungen und Terminen. Gut ist dabei natürlich ein ipod, noch besser – für den Designer – sind auf selbigem die MP3s von typeradio.

Die holländischen Grafiker Donald Beekman und Liza Enebeis sprechen dabei (in Englisch) in gemütlicher Atmosphäre mit bekannten Designern und Typografen wie Stefan Sagmeister, Matthew Carter oder Erik Spiekermann über Design, Schrift, Arbeit, Freizeit, Geistergeschichten und noch vieles mehr. Seit 2004 sind da auf Initiative der Typefoundry Underware (von denen z.B. die coole “Sauna” stammt) schon 200 Episoden zusammengekommen, was genug für mehr als eine Woche Autofahrt ist…

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Lot of work to be done at the moment, including long motorway drives to appointments and meetings. Good to have an ipod for this, even better – for the designer – are MP3s from typeradio on it.

The Dutch graphic designer Donald Beekman and Liza Enebeis talk with well known designer and typographs like Stefan Sagmeister, Matthew Carter or Erik Spiekermann about design, type, work, off-work, ghost stories and much more in an relaxed atmosphere. This initiative by the typefoundry Underware (who have e.g. the cool “Sauna” font) has developed to 200 episodes since 2004, which is enough for more than a week of motorway driving…

5 Tipps für schönere Briefe…

Montag, 17. Juli 2006

Neulich bin ich gefragt worden, wie auch Nicht-Grafiker ihre Korrespondenz verschönern können. Man muss ja nicht gleich ein Studium absolviert haben, um einen attraktiven und lesenswerten Brief gestalten zu können.
Deshalb hier die ersten fünf Tipps, von denen jeder sofort und ohne Aufwand profitieren kann:

  1. Eine gute lesbare Schrift bringt’s
    Wahrscheinlich werden 99% der heutigen Briefe in der Times New Roman oder der Helvetica geschrieben. Das ist natürlich sehr bedauerlich. Selbst wenn man keine paar Euro in den Erwerb einer etwas individuelleren “Hausschrift” investieren möchte, bieten doch die bei M$ Win mitgelieferten Schriften mehr Abwechslung und Individualität. Besonders attraktiv finde ich persönlich z.B. die Georgia oder die Trebuchet. Probieren Sie doch mal was anderes aus!

  2. Weniger ist mehr
    Natürlich kann obiger Tipp nach hinten losgehen, wenn ein Dokument nur so von der Vielfalt an Schriften blüht. Faustregel für den Nicht-Grafiker: nicht mehr als zwei Schriften je Dokument verwenden. Und diese sollten sich optisch unterscheiden, also z.B. eine Serif- mit einer Sans-Serif-Schrift. Durch die Möglichkeit der Variation von Schriftgrößen und -stärken kann man wesentlich attraktiver den Text gliedern als durch viele verschiedene Schriften. Bleiben Sie jedoch für den Fliesstext bei einer Schriftgröße zwischen 10 und 12 Punkt und niemals größer.

  3. Keine Effekte verwenden
    Die Schrifteffekte von Word (”WordArt”) sind ein leidiges Thema, meist entstehen sie aus einem gutgemeinten Engagement von Typo-Novizen heraus. Mir sind diese Pseudo-3D- und Schrift-in-Wellenform-Effekte sogar schon bei Aussendungen der Wirtschaftskammer untergekommen. Eines vorweg: es ist nicht attraktiv und hat mit “Art” nichts zu tun. Ich bezweifel, dass dies auch nur bei einem einzigen Leser einen positiven Eindruck hinterlässt. Deshalb gibt es hier ein großes NO.

  4. Genügend Weißraum einplanen
    Wozu soll man auf der Seite was leer lassen, wenn man sie doch füllen will? Es geht hier um das richtige Verhältnis zwischen Inhalt und Leerraum. Also nur weil die Seite da ist, muss sie nicht auch vollkommen bis auf den letzten Quadratzentimeter gefüllt werden. Meist wird zudem zu wenig Rand eingeplant; Briefe sollten mindestens 2 cm Abstand links und rechts haben, bei größeren Abständen werden Sie mitunter sogar feststellen, dass der Brief interessanter aussieht.

  5. Den Text gliedern
    Die Lesbarkeit und Attraktivität eines Textes kann mitunter schon stark erhöht werden, wenn sich nicht alles in einer Wurst durchzieht, sondern Zeilenumbrüche und Absätze den Text übersichtlich gliedern. Bei längeren Texten empfehlen sich weiters Zwischentitel, die dem Leser eine bessere Führung durch die Information bieten.